Der große Komfort

Mit Schauspieler Luzian Hirzel

Der grosse Komfort von
Amrei Wittwer für die Kulturzeitschrift.


Die Kunsthalle FRO präsentiert mit „Der grosse Komfort“ eine neue Arbeit des Vorarlberger
Bildhauers Mathias Garnitschnig. Die eigens zum Gebrauch in der Halle des Landesfunkhauses
erschaffene Skulptur nimmt Bezug auf den von Le Corbusier gemeinsam mit Pierre Jeanneret und
Charlotte Perriand entworfen LC2 „Fauteuil Grand Confort, petit modèle“ (1928). Dieser Sessel ist
der wohl berühmteste Designklassiker der Moderne. Er zeichnet sich durch sichtbare, tragende
Stahlrohre, den „Kissenkorb“ aus. Das Möbel verkörpert den Fortschrittsoptimismus der
Zwischenkriegs-Moderne: das Verkaufs-Versprechen des permanenten Komforts, eines besseren
Lebens durch Bequemlichkeit, Rationalität, Industrialisierung und Technik. Ornament ist
Verbrechen, das Haus eine „machine à habiter“ und die Welt liegt auf dem Silbertablett.
Aus der Komfortzone
Das absurd farbige, zweiteilige Objekt steht mitten im laufenden Medienbetrieb der
denkmalgeschützten „machine à informer“. Wo der LC2 Purismus und Kontrolle vermittelt, scheint
Garnitschnigs Werk aus dem Gleichgewicht geraten, weich geworden. „Der grosse Komfort ist ein
anmassendes Versprechen,“ so Mathias Garnitschnig, „es kann und darf in der heutigen Zeit nicht
gehalten werden.“ Sein Werk bringt den Betrachter nicht in sondern aus der Komfortzone: Um das
Sitz-Objekt zu erreichen, muss der Möchtegern-Benutzer einen 1,25 Meter hohen Sockel aus XPSAustrotherm-Dämmplatten überwinden. Oben angelangt, ist Frau sich unsicher: Ist dieses elegant
von den Gebrüdern Zwing gepolsterte himmelblaue Monstrum wirklich ein Sessel, und – wie soll sie
darauf sitzen? Garnitschnig, der Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst Wien bei
Erwin Wurm und Gerda Fassel studiert hat, interessiert die Funktion und Benutzbarkeit von
Skulptur. Er erforscht die Beziehung zwischen Körper, Objekt und Raum, den Effekt, den gestaltete
Dinge auf den Menschen haben. Er wählt den LC2 als Ausgangspunkt, „weil er Kind derselben
brutalistischen Moderne ist wie das Gebäude von Gustav Peichl.“
Die fetten Jahre sind vorbei
Hat die Benutzerin dann endlich – halb liegend – eine Position auf Garntischnigs Sitzskulptur
gefunden, ist die Atmosphäre des Objektes mehrdeutig. Ist das ein Thron oder befinden wir uns auf
einem Altar? Werden wir gerade erhöht oder bald geopfert? Ist das Barock oder Brutalismus? Sind
wir der Cake-Topper der „Peichl-Torte“? Gewiss ist nur das Versprechen auf eine neue Perspektive
im Funkhaus: Der Blick nach oben führt in den Himmel, der Blick nach unten zeigt unabhängige
Journalisten bei ihrer Arbeit. Mathias Garnitschnig lädt uns, das „erschöpfte Ideal der Moderne“,
dazu ein, das Objekt zu erklimmen. Dort oben mögen wir in Achtsamkeit entspannen und uns neu
orientieren. In Zeiten des Ressourcen-Verbrauchs, der Überproduktion und der drohenden
ökologischen Krise ist das kein frommer Wunsch.

EINLADUNG
Der große Komfort
Mathias Garnitschnig

Mathias Garnitschnig (1979, Bregenz) studierte Bildhauerei an der Universität für angewandte Kunst Wien bei Erwin Wurm
und Gerda Fassel, nachdem er zuvor die Fachschule für Bildhauerei in Tirol besucht hatte. Seine Arbeiten untersuchen die
Beziehung von Körper, Objekt und Raum. Für die Kunsthalle FRO entwickelt er eine großformatige Sitzskulptur, die sich auf
die Architektur des ORF-Landesfunkhauses Vorarlberg bezieht.
Die Installation kann betreten und genutzt werden und verändert die Wahrnehmung des Raumes durch ihre skulpturale Intervention.

ORF-Landesdirektor Markus Klement sowie Kulturlandesrätin Barbara Schöbi-Fink eröffnen gemeinsam die Schau am

Dienstag, 2. Juni 2026, 18.30 Uhr
ORF-Landesfunkhaus Vorarlberg
Rundfunkplatz 1, Dornbirn

ORF-Kulturkoordinatorin Jasmin Ölz stellt anschließend Fragen an die Künstlerin.

Wir laden Sie und Ihre Freunde herzlich zur Vernissage ein. DJ Gery sorgt für coolen Sound im Hintergrund.
Kurator Marbod Fritsch lädt anschließend zu einem Vorsommerfest mit gut gekühlten Drinks. (Gin Tonics 😉

Die Arbeit ist vom 3. Juni bis 30. August 2026 zu besichtigen.

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KUNSTHALLE FRO | ORF Vorarlberg | Rundfunkplatz 1 | 6850 Dornbirn | Telefon 05572/301 |
publikum.vorarlberg@orf.at | vorarlberg.ORF.at

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